Manchmal reicht ein Sonnenaufgang
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Der Beginn dieser Woche war ziemlich anstrengend.
Wieder einmal ist nicht wirklich etwas passiert. Nichts, worüber ich mich besonders freuen könnte. Dafür zwei, drei Dinge, die eher in die andere Richtung gingen. Aber gut. Auch das gehört gerade zu meinem Alltag. Manchmal fühlt es sich mühsam an, sich morgens einfach wieder hochzukämpfen und den Tag anzunehmen, obwohl man eigentlich noch gar nicht weiß, wofür.
Also aufstehen. Schuhe an. Laufen.
Irgendwie weitermachen.
Und dann gibt es diese Momente, mit denen man nicht rechnet.
Ich war morgens unterwegs, kam unter einer Brücke entlang und sah, wie eine S-Bahn auf den Gleisen vorbeifuhr. Ein ganz normaler Moment. Und trotzdem schoss mir plötzlich ein Gedanke durch den Kopf: Was muss eigentlich in einem Menschen vorgehen, dass er sich vor eine S-Bahn wirft?
Der Gedanke hat mich selbst erschreckt.
Nicht, weil ich mich darin wiedergefunden hätte. Ganz im Gegenteil. Ich habe sofort gemerkt, wie weit ich von so etwas entfernt bin. Aber allein darüber nachzudenken, welche Verzweiflung einen Menschen an einen solchen Punkt bringen kann, hat mich beschäftigt.
Wie verzweifelt muss man sein, wenn man keinen anderen Ausweg mehr sieht?
Und während ich weitergelaufen bin, wurde mir gleichzeitig etwas anderes bewusst: Wie viel eigentlich da ist.
Die Sonne ging gerade auf. Nebel lag über den Feldern. Im Wald zwitscherten die Vögel. Es war diese besondere Stimmung am frühen Morgen, in der die Welt für ein paar Minuten noch ganz ruhig wirkt.
Und ich dachte: Verdammt, wie schön ist das eigentlich.
Manchmal braucht es offenbar gar nicht viel.
Keinen neuen Job.
Keine große Nachricht im E-Mail-Postfach.
Keinen perfekten Plan für die nächsten fünf Jahre.
Manchmal reicht ein Sonnenaufgang über einem nebligen Feld und ein paar Vögel, die irgendwo im Wald ihren Tag beginnen.
Allein dafür lohnt es sich, aufzustehen.
Der Rest der Woche ist bisher wieder ziemlich unspektakulär. E-Mails geschrieben, E-Mails bekommen. Bewerbungen laufen weiter, aber die große Bewegung ist noch nicht zu erkennen. Man wartet, hofft, schaut wieder ins Postfach und wartet weiter.
Parallel habe ich ein paar Entscheidungen für meine Zukunft getroffen. Eine davon war auch finanziell wichtig. Keine leichte Entscheidung, aber inzwischen bin ich damit im Reinen. Und vielleicht ist genau das gerade entscheidend: Nicht jede Entscheidung muss sich sofort gut anfühlen. Manchmal reicht es zunächst, wenn man weiß, dass sie richtig für die eigene Situation ist.
Heute freue ich mich deshalb auf etwas ganz anderes.
Ich treffe mich mit einem wichtigen Menschen. Wir werden eine Kleinigkeit essen, reden, Zeit miteinander verbringen und uns hoffentlich wieder gegenseitig ein bisschen inspirieren. Es gibt Menschen, nach deren Treffen man nach Hause geht und das Gefühl hat, dass der Kopf wieder etwas klarer ist. Dass Gedanken in Bewegung gekommen sind.
Auch das ist etwas, das man leicht unterschätzt.
Während ich also noch immer auf eine positive Nachricht im beruflichen Bereich warte, merke ich gleichzeitig, dass mein Leben nicht nur aus diesem Warten besteht.
Da ist mein Sohn.
Da sind Menschen, die mir wichtig sind.
Da sind Bücher und Projekte, an denen ich arbeite.
Da ist der Sport.
Da sind Gespräche.
Und da sind diese kleinen Momente, die völlig kostenlos sind und trotzdem unglaublich wertvoll sein können.
Vielleicht ist das gerade meine eigentliche Aufgabe: nicht darauf zu warten, dass irgendwann wieder alles perfekt ist.
Sondern zu erkennen, was jetzt schon da ist.
Heute Morgen waren es Nebel, Sonne und Vogelgezwitscher.
Und plötzlich war der Tag für ein paar Minuten ziemlich gut.
Mal sehen, was der Rest des Tages und der Rest dieser Woche noch bringen.
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