Ich bin 55. Und ich hätte nie gedacht, dass ich einmal an diesem Punkt stehen würde.
Seit längerer Zeit bin ich auf Arbeitssuche. Mit jedem Monat wird die Frage drängender, wie es beruflich eigentlich weitergehen soll. Erfahrung habe ich genug – nur scheint sie auf dem Arbeitsmarkt nicht immer so viel wert zu sein, wie ich einmal geglaubt habe.
Ich bin geschieden und lebe in einer anderen Stadt. Gleichzeitig zahle ich Unterhalt für meine Frau und mein Kind. Das Leben ist dadurch nicht nur emotional komplizierter geworden, sondern auch finanziell. Miete, Versicherungen, Unterhalt, alltägliche Kosten und alles läuft weiter, auch wenn das eigene Einkommen nicht mehr vorhanden ist wie früher.
Besonders schwierig sind die Gedanken, die man nach außen nicht unbedingt zeigt.
Selbstzweifel. Zukunftsangst. Die Frage, ob ich mit 55 beruflich noch einmal neu anfangen kann. Und manchmal auch schlicht die Frage, was man eigentlich mit einem Tag anfangen soll, wenn der Job fehlt und plötzlich viel zu viel Zeit da ist.
Ich kämpfe gegen die Existenzangst. Ich denke über mein bisheriges Leben nach. Über Entscheidungen, die ich getroffen habe, über Fehler, über das, was vielleicht anders hätte laufen können. Und immer wieder taucht diese eine große Frage auf:
Was ist eigentlich der Sinn des Lebens, wenn der bisherige Plan nicht mehr funktioniert?
Gleichzeitig muss ich mich mit sehr konkreten Fragen beschäftigen: Wie lange reicht das Geld? Was kostet mein Leben tatsächlich? Wie sieht meine finanzielle Zukunft aus? Und was bedeutet das alles für meine Altersvorsorge?
Ich habe gerade keine Antworten darauf und kämpfe nur dafür, dass es irgendwann aufhört.
Ich bin kein Finanzexperte, Karriereberater oder Lebenscoach.
Ich bin einfach ein Mann mit 55, der versucht herauszufinden, wie es weitergeht.
Deshalb gibt es dieses Tagebuch.
55 und jetzt?
Ich weiß es selbst noch nicht und vielleicht bin ich ja nicht der einzige dem es so geht.
Aber vielleicht hilft es, darüber zu schreiben.
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