Gerädert, aber weiter

 Die Nacht war mal wieder alles andere als erholsam. Immer wieder aufgewacht und natürlich jedes Mal genau so wach, dass an Wiedereinschlafen erst einmal nicht zu denken war. Irgendwann habe ich aufgehört, auf die Uhr zu schauen. Das macht es schließlich auch nicht besser.

Am Morgen fühlte ich mich entsprechend: wie gerädert.

Eigentlich hätte ich mich am liebsten noch einmal umgedreht und den Tag einfach etwas später beginnen lassen. Aber irgendwann muss man sich eben aufraffen. Also Schuhe an und laufen.

Der Halbmarathon kommt schließlich näher – und wenn ich das Ding wirklich laufen will, wird es langsam Zeit, auch entsprechend zu trainieren. Mit Ausreden wird das jedenfalls nichts. Also los.

Nach dem Lauf: duschen, Frühstück und dann natürlich der nächste Klassiker – Mails checken.

Und?

Nichts.

Keine neue Nachricht, keine Bewerbung, bei der plötzlich alles passt, kein „Wir würden Sie gerne kennenlernen“. Immerhin hatte ich erneut Kontakt zu einem Headhunter. Vielleicht nützt es ja etwas. Man weiß inzwischen ja schon gar nicht mehr, welcher Kontakt irgendwann vielleicht doch zu einer Tür führt, die sich öffnet.

Danach habe ich versucht, den Kopf ein bisschen freizubekommen. Ein längerer Spaziergang und ein tiefes Gespräch mit einer guten Freundin haben dabei deutlich mehr geholfen als jede noch so intensive Suche am Laptop.

Es tut gut, wenn man einfach einmal reden kann. Nicht nur über Bewerbungen, Jobs und das, was gerade alles nicht funktioniert, sondern auch über andere Dinge. Zuhören, Gedanken sortieren, lachen, nachdenken – und für ein paar Stunden nicht ständig das Gefühl haben, man müsste eigentlich gerade irgendetwas erledigen.

Danach noch gemeinsam einen Kaffee getrunken.

Und irgendwann ist dann auch Feierabend mit der Jobsuche.

Heute Abend steht noch DFB-Pokal auf dem Programm. Einfach hinsetzen, Fußball schauen und den Kopf mit anderen Dingen beschäftigen.

Vielleicht ist das heute genau das Richtige.

Denn auch wenn sich momentan vieles zäh anfühlt: Ich bin heute gelaufen, habe mich gekümmert, habe einen Kontakt zu einem Headhunter gehabt, war unterwegs und hatte ein gutes Gespräch.

Nicht jeder Tag muss große Fortschritte bringen.

Manchmal reicht es auch, wenn man einfach nicht stehen bleibt.

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