Montag. Neue Woche, alte Gedanken.

 


Montag.

Eigentlich der Tag, an dem man sich sagt: Neue Woche, neues Glück. Neustart. Frische Energie. Vielleicht wird diese Woche ja alles anders.

Mein Körper hatte allerdings offenbar andere Pläne.

Geschlafen habe ich wieder kaum. Irgendwie ist das mittlerweile schon fast keine Überraschung mehr. Man liegt im Bett, ist müde, aber der Kopf hat offensichtlich noch eine Nachtschicht eingelegt. Gedanken kommen und gehen, manche davon mehrfach. Was wird? Wann passiert endlich etwas? Wie geht es weiter?

Irgendwann bin ich dann trotzdem aufgestanden.

Ein kurzes Telefonat mit meinem Sohn. Nicht lange, aber gut. Manchmal reichen ein paar Minuten, um den Kopf zumindest für einen Moment in eine andere Richtung zu bringen.

Danach: laufen.

Nicht, weil ich heute besonders motiviert gewesen wäre. Sondern eher, weil ich wusste, dass ich es tun sollte.

Also Schuhe an und los.

Und ganz ehrlich: Ich musste mich heute ziemlich durchkämpfen.

Die Beine wollten nicht so richtig. Der Kopf sowieso nicht. Aber genau deshalb bin ich froh, dass ich es gemacht habe. Es gibt Tage, an denen Laufen Spaß macht. Und es gibt Tage, an denen Laufen einfach nur bedeutet, dass man sich selbst davon überzeugt, nicht wieder umzukehren.

Heute war eher Kategorie zwei.

Währenddessen kam mir wieder ein Gedanke, der mich inzwischen ziemlich beschäftigt:

Ich brauche dringend mehr Routinen.

Nicht noch mehr darüber nachdenken, was gerade alles nicht funktioniert. Nicht ständig auf das Handy schauen. Nicht jede neue E-Mail innerlich schon als mögliche Wendung interpretieren. Nicht den ganzen Tag zwischen Hoffnung und Ernüchterung pendeln.

Ich brauche Dinge, die einfach passieren.

Aufstehen. Kaffee. Laufen. Frühstück. Bewerbungen. Vielleicht etwas am Laptop arbeiten. Haushalt. Lesen. Irgendetwas Sinnvolles machen. Wieder rausgehen.

Nicht, weil dadurch die Jobsuche schneller geht.

Sondern weil der Tag dadurch nicht ausschließlich aus Warten besteht.

Denn genau das ist vermutlich das Anstrengendste an der ganzen Situation: Man kann unglaublich viel tun und trotzdem nicht das Gefühl haben, wirklich voranzukommen.

Also habe ich im Laufe des Tages natürlich wieder E-Mails geöffnet.

Das ist mittlerweile fast ein kleines Ritual mit eingebauter Spannungskurve.

Heute gab es zwei Absagen.

Zwei weitere kleine Nachrichten, die einem freundlich und professionell mitteilen, dass es leider nicht passt.

Man liest sie, denkt kurz darüber nach und macht dann weiter.

Zumindest versucht man das.

Denn zwischen den Absagen waren auch zwei neue interessante Stellen.

Und was macht man?

Man bewirbt sich.

Eine Stelle führt gedanklich nach Dänemark.

Die andere nach Zürich.

Dänemark.

Zürich.

Wenn mir vor ein paar Jahren jemand erzählt hätte, dass ich montags irgendwann vor meinem Laptop sitze und darüber nachdenke, ob mein beruflicher Weg vielleicht nach Dänemark oder in die Schweiz führen könnte, hätte ich vermutlich gefragt, ob er zu viele skandinavische Krimis gelesen hat.

Aber jetzt sind das tatsächlich Optionen.

Und was soll ich machen?

Die Stellen nicht anschauen, weil sie zu weit weg sind?

Die Bewerbung nicht abschicken, weil ich nicht weiß, was daraus wird?

Oder einfach machen?

Also mache ich.

Bewerben kostet schließlich erst einmal nur Zeit.

Und vielleicht ist genau das die richtige Einstellung: Nicht jeden Schritt vorher komplett durchdenken.

Nicht versuchen, schon heute zu wissen, wo man in sechs Monaten steht.

Einfach den nächsten sinnvollen Schritt machen.

Heute waren es zwei Bewerbungen.

Dazu zwei Absagen.

Und dazwischen ein Lauf, ein Telefonat mit meinem Sohn, viel Kaffee und wahrscheinlich wieder deutlich zu viele Gedanken.

Aber immerhin: Ich habe den Montag irgendwie durchgebracht.

Vielleicht ist das momentan auch eine Form von Fortschritt.

Nicht jeden Tag muss etwas Großes passieren.

Manchmal reicht es, wenn man morgens aufsteht, obwohl man kaum geschlafen hat.

Man läuft, obwohl man keine Lust hat.

Man öffnet die E-Mails, obwohl man weiß, dass dort eine Absage liegen könnte.

Man bewirbt sich trotzdem.

Und dann macht man den Laptop irgendwann wieder zu.

Morgen ist Dienstag.

Und vielleicht brauche ich bis dahin noch eine neue Routine.

Oder wenigstens einen Plan, wie ich meinen Kopf davon abhalte, nachts wieder die komplette Zukunft durchzuplanen.

Mal sehen, wer von uns beiden morgen gewinnt.

Mein Kopf oder mein Wecker.

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